Begleiteter Umgang

Der „begleitete Umgang“ geschieht auf der Grundlage von § 18, Abs. 3 SGB VIII, § 1684 und § 1685 BGB. Demnach haben Kinder und Jugendliche ein Recht auf den Umgang mit beiden Eltern und umgekehrt haben die Eltern die Pflicht, diesen Umgang zu fördern.

Infrastruktur und Personal

Der „begleitete Umgang“ findet in Räumlichkeiten unserer Einrichtung oder in anderen dafür vorgesehenen Räumlichkeiten (z.B. von anderen Einrichtungen oder Jugendämtern) statt.

Für die Durchführung des „begleiteten Umgangs“ stehen SozialpädagogInnen unserer ambulanten Teams zur Verfügung. Die Dauer, Häufigkeit, Frequenz und Zielrichtung des begleiteten Umgangs werden durch das zuständige Jugendamt bzw. das Familiengericht vorgegeben. Abgerechnet wird der „begleitete Umgang“ über Fachleistungsstunden.

Die Umgangskontakte finden i.d.R. zu den üblichen Büroöffnungszeiten statt. Darüber hinausgehende Vereinbarungen bedürfen der Absprache mit den Fachkräften.

Ausschlußkriterien

Indikationen, die den Umgang (zumindest zunächst und in Absprache mit dem zuständigen Jugendamt) ausschließen:

  • anhaltende Weigerung des Kindes bzw. Jugendlichen
  • psychische Beeinträchtigung des Kindes, die sich durch den Umgang verschlechtern kann
  • sexuelle Gewalt oder schwere psychische Gewalt oder schwere Fälle häuslicher Gewalt oder Misshandlung

Ziele und Leistungen

Der "begleitete Umgang" ist sowohl eine Maßnahme zur Anbahnung, Wiederherstellung und Förderung der Beziehung eines Kindes zu dem Elternteil, mit dem es nicht zusammenlebt, als auch eine Maßnahme zur Abwehr von Gefährdungen des Kindes.

Primäres Ziel des „begleiteten Umgangs“ ist es, den Eltern-Kind-Kontakt auch in solchen Fällen zu ermöglichen, in denen, bedingt durch Konflikte auf der Eltern-Ebene oder in Gefährdungssituationen, eine Gefährdung des Kindes im Rahmen seines Kontakts mit dem umgangsberechtigten Elternteil nicht ausgeschlossen werden kann.

Grenzen des „begleiteten Umgangs“ sind an den Punkten gesetzt, wo Gewaltandrohung und Gewalt insbesondere im Verhältnis zum Kind eine Rolle spielen. Das gilt für jede Form von Entführungsandrohung bis zu sexuellen Übergriffen. Bei psychisch kranken Eltern können verzerrte Wahrnehmung, offene Feindseligkeiten oder Desinteresse als Kontraindikationen gelten. Bei solchen Grenzüberschreitungen waren und sind die Umgangstreffen abzubrechen. Oberstes Gebot ist das Kindeswohl und der emotionale Gewinn der Kinder durch die Maßnahme, nicht vorrangig Erwartungen und Bedürfnisse der Eltern.

Die begleitende Fachkraft hält sich während des Kontakts zwischen Eltern und Kind im Hintergrund. Bei erkennbaren Schwierigkeiten kann sie dem Elternteil bzw. dem Kind unterstützend zur Seite stehen. Anweisungen an die Eltern erfolgen nur im Bedarfsfall und haben dann einen bindenden Charakter. Bei Missachtung der Anweisungen kann die Fachkraft den Umgangskontakt abbrechen.

Eine Unterbrechung des begleiteten Umgangs durch die Fachkraft kann z.B. erfolgen:

  • wenn zwischen den Eltern während des Umgangs Konflikte ausgetragen werden.
  • bei Einbeziehung der Kinder in den elterlichen Konflikt, z.B. durch abwertende und beleidigende Äußerungen sowie negative Beeinflussungen und subtile Unterstellungen in Bezug auf den abwesenden Elternteil
  • bei abwertenden und beleidigenden Äußerungen der Fachkraft gegenüber
  • bei nachhaltiger Weigerung des Kindes
  • wenn ein Elternteil massiv und/oder wiederholt Vorgaben der Fachkraft nicht einhält
  • eine Gefährdung des Kindes auch durch Begleitung nicht ausreichend ausgeschlossenen werden kann.